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Franziska Impekoven

Vielleicht kennst du das: An manchen Tagen sprühst du vor Energie, bist kreativ, kommunikativ und voller Tatendrang. An anderen Tagen fühlst du dich müde, zurückgezogen und irgendwie nicht ganz bei dir.

Und während du versuchst, jeden Tag gleich zu funktionieren, kämpfst du eigentlich gegen deinen eigenen Körper an.

Denn während Männer einen 24-Stunden-Hormonrhythmus haben, leben wir Frauen in einem 28-Tage-Zyklus. Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist ein völlig anderes System.

Der Unterschied, den niemand uns erklärt hat

Männer erleben ihren hormonellen Rhythmus innerhalb eines Tages: Morgens sind Testosteron und Cortisol am höchsten – sie sind energiegeladen, fokussiert, leistungsstark. Mittags wird es ruhiger, abends sinkt das Testosteron weiter ab, sie werden entspannter, sensibler.

Jeden Tag von vorn. Ein Neustart alle 24 Stunden.

Wir Frauen hingegen haben einen Zyklus, der sich über etwa 28 Tage erstreckt. An jedem dieser Tage ist unser hormonelles System anders. Unsere Energie ist nicht linear. Unser Körper durchläuft Phasen – wie die Jahreszeiten.

Und trotzdem leben wir in einer Welt, die nach dem männlichen 24-Stunden-Rhythmus getaktet ist.

Vier Phasen, vier innere Jahreszeiten

Dein Zyklus ist kein chaotisches Auf und Ab. Er folgt einer klaren Struktur. Vier Phasen, die du dir wie die vier Jahreszeiten vorstellen kannst – jede mit ihren eigenen Qualitäten, Stärken und Bedürfnissen.

Phase 1 – Follikelphase / Innerer Frühling (ca. Tag 7–14 nach der Periode)

Element: Luft. Archetyp: Das innere Mädchen.

Nach der Menstruation beginnen Östrogen und Testosteron täglich zu steigen. Du spürst, wie Energie, Kreativität und Leichtigkeit zurückkehren. Die Aufmerksamkeit richtet sich wieder nach außen. Du bist klar, analytisch, motiviert.

Das ist die Zeit für Entscheidungen, Planung, neue Ideen. Für alles, was Struktur und frischen Wind braucht. Dein Körper öffnet sich, dein Geist wird wach.

Superpower: Kreativität & Leichtigkeit.

Phase 2 – Eisprung / Innerer Sommer (ca. Tag 14–17)

Element: Feuer. Archetyp: Die Mutter, die Heilerin.

Das ist der hormonelle Höhepunkt deines Zyklus. Östrogen, Testosteron, Dopamin und Serotonin erreichen ihr Maximum. Du fühlst dich energiegeladen, selbstbewusst, strahlend. Deine Kommunikationsstärke ist am Höhepunkt.

Das ist deine fruchtbare Zeit – körperlich, aber auch kreativ und beruflich. Du bist im Flow. Du ziehst Menschen an. Du hast Kraft für andere.

Superpower: Ausstrahlung & Kommunikation.

Aber Vorsicht: Wenn du deinen Kalender in dieser Phase vollpackst, weil du dich unbesiegbar fühlst, zahlst du später dafür. Die “Eisprung-Frau” ist nicht die, die den ganzen Monat durchhält.

Phase 3 – Lutealphase / Innerer Herbst (ca. Tag 17–28)

Element: Wasser. Archetyp: Die wilde Frau, die Zauberin.

Nach dem Eisprung steigt Progesteron, alle anderen Hormone sinken. Die Energie flaut ab. Du wirst feinfühliger, introvertierter, reflektierter. Der Fokus richtet sich nach innen.

Das ist die Zeit zum Abschließen, Sortieren, Aufräumen. Zum Grenzen setzen. Zum Bilanz ziehen. Deine Intuition ist jetzt besonders stark.

Superpower: Fokus & Reflexion.

PMS entsteht oft genau dann, wenn Frauen in dieser Phase gegen ihren natürlichen Rückzugbedarf ankämpfen. Wenn sie sich selbst übergehen, weil sie denken, sie müssten immer gleich viel leisten.

Phase 4 – Menstruation / Innerer Winter (ca. Tag 1–7)

Element: Erde. Archetyp: Die alte Weise.

Östrogen und Progesteron sind am Tiefpunkt. Dein Körper lässt los. Die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen, neues Blut wird gebildet. Das ist eine Reinigungszeit. Eine Zeit des Rückzugs, der Reflexion, der Intuition.

Die Periode ist nicht dein Feind. Sie ist der Start eines neuen Zyklus.

Was ich in meiner Arbeit beobachte

Viele Frauen, die zu mir kommen, schämen sich dafür, in der zweiten Zyklushälfte “weniger” zu sein. Sie bewerten sich als schwach, wenn sie nicht durchgehend performen.

Aber genau das ist das Problem: Sie versuchen, in einem 24-Stunden-Rhythmus zu funktionieren, obwohl ihr Körper in einem 28-Tage-Rhythmus lebt.

Was sich verändert, wenn du deinen Zyklus verstehst, ist nicht, dass du plötzlich perfekt nach ihm lebst. Sondern dass du aufhörst, dich selbst zu übergehen.

Dass du verstehst, warum du an manchen Tagen anders bist. Dass du dir erlaubst, dich zurückzuziehen, wenn dein Körper danach verlangt. Dass du deine Energie nicht mehr gegen dich selbst richtest.

“Dein Zyklus ist kein Gegner. Er ist ein Rhythmus. Ein Rückmeldesystem. Eine Einladung, dich selbst besser kennenzulernen.”

Eine Einladung

Es geht nicht darum, deinen Alltag ab morgen perfekt nach deinem Zyklus auszurichten. Es geht darum, ihn überhaupt erst einmal kennenzulernen.

Beobachte dich selbst. Nicht um zu optimieren. Sondern um zu verstehen.

Wann fühlst du dich leicht? Wann brauchst du Rückzug? Wann sprudelst du vor Ideen, wann vor Kraft?

Dein Energielevel ist kein Zufall. Es folgt einem Rhythmus. Und dieser Rhythmus ist nicht dein Feind – er ist dein Verbündeter.

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